BMW F650GS - die Rivalin?

Die Rivalin!

Hin und wieder, in mehr oder weniger regelmässigen Abständen, denke sogar ich über ein anderes Mopped nach. Meistens ist das so um Ostern rum, wie auch dieses Jahr mal wieder. Die neue T'Alp ist abgehakt. Aber da ist ja noch was neues, von einer Marke, auf die ich bisher überhaupt nicht fokussiert war: BMW. F650GS heisst das Ding, und im besonderen ist es das Dakar-Modell, dass meine Aufmerksamkeit erregt hat.

Am Samstag morgen also war ich beim BMW-Dealer in Eicklingen, mir das Teil mal aus der Nähe anschauen. Meine Frage nach einer Probefahrt wurde mit einem klaren Jein beschieden:"'ne normale kannste haben, kein Problem, 'ne Dakar hamwe nich zugelassen." Wenn sich wer über den lockeren Tonfall wundert: In Celle gibts BMW-Moppeds eben nicht in den bekannten blinkenden Dosen-Palästen, sondern bei einem richtigen Moppedhändler, der auch Ahnung von der Materie hat, in einem kleinen vollgestopften Laden... Immerhin durfte ich eine Sitzprobe auf der Dakar machen. Dann wurde die GS rausgeholt. "Blinker hier, hier Fernlicht, kennse ja alles. Choke gibt's nicht. Um zwei machenwe zu, wär nett, wennde dann wieder hier wärst. Viel Spass!"

Auf geht's also. Auf Knopfdruck nimmt der kalte Single willig die Arbeit auf (später werde ich feststellen, dass er sich, warm geworden, eine Kleinigkeit länger bitten lässt). Es ballert ganz schön hinten aus dem Auspuff raus, von dem der linke Topf der Vor- und der rechte der Endschalldämpfer ist. Wie war das doch? Chef hatte doch was von geringfügigen Modifikationen (tm) am Vordämpfer gesagt ... Drum also. Ob das ausser Sound noch was anderes gebracht hat, habe ich dann vergessen zu fragen. Ich fahr die Maschine erst mal etwas warm, dann geht's in Richtung meiner ersten Lieblingsteststrecke, einem asphaltierten Wirtschaftsweg mit einem alten Bahnübergang, an dem die Alp bei 130 so schön ins Fliegen kommt. Die GS fliegt schon bei 120, und bei der Landung gibts den ersten Tritt ins Kreuz. Am geringeren Gewicht kanns nicht liegen, sie spielt in der gleichen Liga, wie die Alp: 193 kg fahrfertig. Liegt dann wohl doch an der für einen Alp-verwöhnten Menschen knüppelharten Federung. Kein Mensch weit und breit, Zeit für ein paar Bremstests. Wir haben es vorne mit einer Doppelkolben-Schwimmsattel-Bremse zu tun, mit einer 300mm-Scheibe. Hinten ist ein Einkolbenschwimmsattel mit 240mm Scheibe montiert. Aufgepeppt ist das ganze mit einem als Sonderzubehör erhältlichen ABS. Den Fussbremshebel brauche ich nur anzuschauen, und das ABS hackt los. Die Bremswirkung ist vernachlässigbar. Ganz anders vorne: Sehr fein dosierbar und kräftig zupackend. Um das Vibrieren im Bremshebel zu spüren, muss ich schon ziemlich hart hinlangen, was die F mit einem Stoppie quittiert.

Ab zur nächsten Sektion, wo die am Wegesrand wachsenden Linden den Asphalt zu einer Mini-Alpenlandschaft deformiert haben. Nach den Erfahrungen mit dem Sprunghügel lasse ich's bei 120 gut sein. Die F verteilt derbe Tritte, hält aber die Spur. Angesichts der harten Federung und der montierten Michelin T66 verzichte ich darauf, links in die Dreckwege abzubiegen - eine gute Idee, wie sich später herausstellen sollte. Statt dessen geht's zu meiner zweiten Lieblingsteststrecke, einem unharmonischen Kurvengeschlängel mit hubbeligem Asphalt an der Aue entlang (wer jemals vom Natelsheidesee mit mir zu den 7 Steinhäusern gefahren ist, kennt diese Strecke). Ich hab mich mittlerweile mit der F zusammengerauft, mich auch an die niedrige Sitzposition gewöhnt, also lassen wir es gleich mal etwas schneller angehen. Willig folgt sie meinen Anweisungen durch die Kurven, lässt sich auch durch die Huckel nicht aus der Ruhe bringen, und auch der Hügel in der abschliessenden schnellen Rechts lässt das Fahrwerk unbeeindruckt. Ansonsten scheint sie mir noch agiler zu sein als die Alp, was zu einem guten Teil am sehr niedrigen Schwerpunkt liegen dürfte. Der Tank z.B. ist nicht der Tank - der sitzt rechts unter der Sitzbank und fasst 17.3 ltr. Einen guten Teil zu den positiven Fahreigenschaften dürfte auch der Motor beisteuern, ein agiler und wegen (oder trotz?) Benzineinspritzung gut am Gas hängender Bursche von 50 PS, der so gar nichts von einem Einzylinder-Rauhbein an sich hat. Gut, wenn einer 10 Jahre über einem Zweizylinder zugebracht hat, dann merkt er schon, dass da unten einer weniger am werkeln ist, aber die Vibrationen halten sich in Grenzen, und im Lenker, der ruhig etwas breiter sein dürfte, kommt so gut wie gar nichts an. Merkwürdig nur, dass ab 5000 1/min in den ansonsten breit genug ausladenden Spiegeln nichts mehr zu sehen ist.

Schauen wir mal, was der Motor wirklich zu bieten hat. Leider kann ich nicht mit der Uhr stoppen, also muss ich zählen. Ich zähle von 21 bis 26, während die Tachonadel von 0 auf 100 klettert. Kann man mit leben. Während eines dieser Tests schlägt das Heck beim Anfahren wild aus, während der Hinterreifen mir einen schwarzen Strich auf den Asphalt malt. Ich bin beeindruckt. Wie schnell komme ich nun im 5. Gang von 50 auf 120? 50 im 5., das sind 2000 auf dem Drehzahlmesser, und da hackt der Motor schon etwas auf die Kurbelwelle ein. Einzylinder eben, aber 200 Umdrehungen später ist das Thema durch, und jetzt geht es zügig voran. Als der Tacho auf 120 steht, bin ich bei 30 angelangt.

Es geht gegen zwei, ich muss wieder zurück. Es ist auch so, dass der Popo mir mittlerweile etwas weh tut - das Sitzpolster ist definitiv zu weich. Auch das Kreuz schmerzt etwas - irgendwas stimmt an der Ergonomie nicht. Es gibt ja einen 4cm höheren Sitz für die Schüssel, das sollte schon was bringen. Das in Gedanken wälzend, sehe ich Bauerndreck auf der Strasse vor mir auftauchen. Wenn schon nicht Dreckweg, dann wenigstens das, und ich halte mit 120 drauf zu. Holla, was'das???? Die Kiste fängt an zu schleudern, links, rechts, dann ist der Dreck vorbei, und ich bin wieder auf trockenem Asphalt. Sie schüttelt sich noch etwas, und weiter gehts. Das also war der Adrenalin- Ausstoss für heute ... In einer dreiviertel Stunde werde ich mit der Alp wieder hier vorbeikommen, ich werde mit der gleichen Geschwindigkeit durch den gleichen Dreck fahren, und die Alp wird sich nichts dabei denken. Soviel zum Thema strassenorientierte (Michelin T66) vs. etwas mehr geländeorientierte (DunlopK560/BS TW42) Reifen.

Pros:

Cons: Conclusions: Ein wirklich nettes Mopped mit einem begeisternden Motor, die F650GS. Mit einigen Detail-Lösungen, die ich mir auch bei der neuen T'Alp wünschen würde (Vorschalldämpfer, Fussrasten, Motorschutz). Auf der anderen Seite frage ich mich, wofür das G steht - Gelände kann das nicht heissen. Alles in allem ist die F650GS, wie die XL650V, nicht für mich gebaut.

Die Dakar aber - ja, die muss ich noch mal untern Hintern kriegen ...


Und mittlerweile habe ich sie. Am 22.05.2000 habe ich den Vetrag unterzeichnet ... Morgen, am 24., hole ich sie.

Dakar

f650_1 45K f650_2 f650_3 f650_4 f650_5 33K f650_6 36K F650 engine 28K F650 exhaust 24K

D. Müller, 18-APR-2000
Fotos:
1 aus "Motorrad Abenteuer" 3/2000
2, 6 und 7 © D. Müller
3, 4 und 5 aus dem BMW-Prospekt.
8 und 9 aus "Kurve" 5/2000


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